Ich hatte den ganzen Freitag für eine Mailserie. Am Abend war ich nicht mal halb durch.
Letzten Herbst habe ich eine Teilzeitstelle angenommen. Plötzlich blieb für mein Business nur noch die halbe Zeit. Abends und freitags. Zwei Zwanzig-Stunden-Jobs sind übrigens etwas anderes als ein Job mit vierzig.
Am ersten freien Freitag nach einer turbulenten Woche wollte ich endlich meine Reflexion zum Jahreswechsel vorbereiten. Eine Mailserie, die zwischen den Jahren laufen sollte. Ich saß morgens am Schreibtisch und wusste nicht, was als Erstes dran war.
Also bin ich meine Notizen durchgegangen. Handy, Zettel, Chatverläufe. Dann habe ich überlegt, wie der Ablauf aussehen könnte. Dann, wie ich das Ganze kommunikativ begleite. Dann war ich in meinen Social-Media-Kanälen und habe mich inspirieren lassen.
Irgendwann stand mein Kater Fiete hinter mir. Sein Futter war seit einer Stunde überfällig, der Tag fast rum. Fertig waren zwei von sieben Mails.
„Na, das war ja mal richtig erfolgreich“, sagte ich zu mir.
Kommt dir das bekannt vor? Ich habe eine Weile gebraucht, um zu verstehen, was an solchen Tagen eigentlich passiert.
Vier Gründe, warum du nicht ins Tun kommst
An solchen Tagen passiert sehr viel mehr, als du selbst in dem Moment wahrnimmst. Hier sind vier Gründe, die dich vom Anfangen abhalten.
Der Kopf muss erst alles einsammeln
Früher lagen meine Aufgaben an mehreren Orten verstreut. Bei meinem gewöhnlichen Pensum funktionierte das auch ganz gut. Mein Kopf wusste intuitiv, was zu tun war.
Dann kam die Anstellung dazu. Das Pensum und die Komplexität wuchsen und auch die beste Intuition stieß an ihre Grenzen.
Es war nicht der Job, sondern die Phase, in der plötzlich mehr gleichzeitig lief.
Und dann geht plötzlich ein ganzer Vormittag dafür drauf, Aufgaben, Ideen und Gedanken von verschiedenen Orten zusammenzutragen.
Ohne Überblick kann ich nicht entscheiden. Also sortiere ich erst mal.
Alles ist gleich wichtig
Manchmal ist es auch nicht die schiere Menge, die lähmt, sondern einfach die fehlende Unterscheidung. Überarbeite ich heute die Angebotsseite oder schreibe ich den Newsletter? Beides muss gemacht werden. Und ohne Rangfolge gibt es keine Entscheidungsgrundlage.
Manche Menschen wählen dann pragmatisch einfach eine aus – ipp zipp zapp. Andere wiederum fühlen sich von der Auswahl überfordert. Besonders, wenn es mehr als zwei solcher Aufgaben gibt. Sie wollen die beste Option und prüfen deshalb weiter. Bei mehreren gleich großen Aufgaben gibt es aber keine beste – also läuft die Prüfung ins Leere.
Und während du prüfst, vergeht der Vormittag.
Die Aufgabe trägt einen zu kleinen Namen
Manchmal ist eine Aufgabe komplexer, als ihr Name vermuten lässt.
Kürzlich habe ich etwas wochenlang vor mir hergeschoben. Auf der Liste stand: Themen für einen Online-Kongress ausarbeiten. Abgesteckt waren sie ja schon – dachte ich.
Tatsächlich zu beantworten war: Wie beschreibe ich meine Arbeit vor einem Publikum, das mich nicht kennt? Wofür genau stehe ich – in einem Satz, der veröffentlicht wird? Deutlich komplexer.
Und genau da entsteht dieses Zögern: Du setzt dich hin, willst „schnell was abhaken“, spürst irgendwas Schweres – und stehst wieder auf.
Ohne zu wissen, warum.
Im Kopf liegen nur die großen Vorhaben
Der Tag hat ein klares Ziel: Heute soll die neue Landingpage stehen. Ich setze mich hin, öffne die Seite – und dann fällt mir ein, dass der Newsletter für übermorgen noch nicht fertig ist.
Ab da ist die Sache eigentlich schon entschieden. Der Newsletter hat einen Termin, die Landingpage nur einen Vorsatz. Also schreibe ich den Newsletter. Am Abend habe ich einen vollen Arbeitstag hinter mir und die Landingpage sieht aus wie am Morgen.
Im Kopf liegen die großen Vorhaben. Was regelmäßig wiederkommt, liegt dort nicht – es wirkt zu selbstverständlich, um Platz zu beanspruchen. Und taucht genau dann auf, wenn du gerade angefangen hast.
Wie oft hat sich dein Tag in der letzten Woche so verschoben? Das ist keine Frage von Disziplin. Im Plan stand nur die Hälfte.
Vier Gründe. Und alle vier kosten dich denselben halben Tag.
Die Arbeit, die auf keiner Liste steht
Drei der Gründe sind Arbeit, die du bemerkst, während du sie tust: sortieren, abwägen oder wiederkehrende Aufgaben erledigen.
Die innere Blockade dagegen läuft unbemerkt. Du siehst dort nur das Ergebnis: Zögern und Schwere oder sogar Müdigkeit.
Was du spürst, ist der Zeitverlust. Die Stunden, die für deine eigentliche Arbeit gedacht waren, sind weg.
In jedem Fall ist es Arbeit. Sie ist nur unsichtbar.
Entweder, weil du sie tatsächlich nicht bemerkst, während dein Kopf auf Hochtouren läuft. Oder weil du am Ende des Tages nicht sehen kannst, was du geschafft hast.
Und das Schlimmste: Die Arbeit fängt immer wieder von vorne an. Jedes Mal, wenn der Überblick verloren geht, geht ein halber Arbeitstag drauf für Arbeit, die auf keiner Liste steht.
Und damit ist der Tag noch nicht zu Ende.
Warum dein Kopf abends nicht frei ist
Abends auf dem Sofa, der Film läuft schon zwanzig Minuten – und da ist er wieder, dieser Gedanke: “Die Rückmeldung an die Steuerberaterin. Das wollte ich heute doch eigentlich noch machen.”
Dazu gibt es ein altes Experiment, in dem Menschen kleine Aufgaben bekamen. Ein Teil davon wurde unterbrochen. Später erinnerten sie sich an genau diese unterbrochenen Aufgaben deutlich besser als an die, die sie zu Ende gebracht hatten.
Offenbar hält der Kopf alles bereit, was noch offen ist. Irgendwie ganz praktisch – so geht nichts verloren. Nur leider belegt es auch Platz.
Alle vier Gründe haben eine Sache gemeinsam: Etwas bleibt ungeklärt. Es bleibt offen und präsent – über deinen Arbeitstag hinaus.
Auch wenn du schon längst etwas anderes machst, läuft es in deinem Kopf mit und kostet dich Energie. Du bist weniger präsent bei den Dingen, die dir eigentlich Erholung schenken sollen.
Und so fehlt dir die Energie am nächsten Morgen. Der Tag beginnt wieder mit Sortieren.
Warum Produktivitätshacks nicht greifen
Wer so in die Woche geht, versucht es früher oder später mit Produktivitätshacks. Egal ob Eat-the-frog, Timeboxing oder Pomodoro – hab ich natürlich auch alles versucht.
Jede dieser Techniken funktioniert, wenn sie zu dir passt. Das Problem: Sie greifen auf einer anderen Stufe.
Sie alle setzen voraus, dass schon klar ist, was zu tun ist.
Was ist der Frosch, den du vor allem anderen in Angriff nimmst? Was packst du in den Zeitblock in deinem Kalender? Worauf legst du die nächsten 25 Minuten deinen Fokus?
Bevor du eine der Methoden sinnvoll anwenden kannst, brauchst du erstmal einen Überblick. Sortieren ist also vorher dran.
Und genau da ist der Casus knacksus: Sortieren ist ein eigener Arbeitsschritt – und verdient einen eigenen Platz. Wer ihn nebenbei erledigt, zahlt ihn jedes Mal neu. Mit Energie.
Hier ist Timeboxing dann eben doch sinnvoll – wenn im Block das Sortieren steht.
Wie das aussehen kann, ist erstaunlich unspektakulär.
Der 20-Minuten-Handgriff für diese Woche
Fang mit einem einfachen Handgriff an, den du jeden Tag wiederholst. Nimm dir 15-20 Minuten am Ende des Arbeitstages und halte fest, wo du gerade stehst.
Was hast du geschafft?
Was ist der nächste Schritt?
Was ist sonst noch offen?
Das Spannende: Eine Aufgabe muss gar nicht erledigt sein, um den Kopf zu entlasten. Ein konkreter Plan, wann, wo und wie genügt schon.
Genau das haben Forschende untersucht. Sobald die Teilnehmenden es notiert hatten, konnten sie sich wieder konzentrieren. Nicht getan – nur festgehalten und geplant.
Was aufgeschrieben und terminiert ist, musst du nicht mehr im Kopf behalten.
Und genau bei diesem Prinzip unterstützt dich mein Wimmelbild-Reset.
In drei Schritten schreibst du alles raus, was dir im Kopf rumwuselt, sortierst und terminierst.
Er hilft dir also nicht nur am Ende eines Arbeitstages, sondern auch, wenn dein Kopf übersprudelt und du im Wimmelbild die Maus nicht wiederfindest.
Das Ergebnis: Das Aufschreiben beruhigt. Das Terminieren schließt die Schleife.
Dann sitzt du morgens am Schreibtisch und weißt, was als Erstes dran ist.
Der Wimmelbild-Reset ist mein Notion Template, um dein Gedankenchaos zu sortieren. Immer dann, wenn in deinem Kopf alles gleichzeitig passiert.
Drei einfache Schritte, um deinen Kopf freizuräumen
- Alles raus.
- Sortieren.
- Terminieren.

